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Die zweite Etage der Nordscheune ist dem pays de Souvigny gewidmet. Bine Reihe von Modellen, archaologischen Sammlungen und Informationstafeln erzahlen seine Geschichte. Aufgrund seiner geographischen Lage im Zentrum Frankreichs fand sich der pays de Souvigny unter dem geschichtlichen, kulturellen und linguistischen Einfluss der angrenzenden Gebiete. Die frühesten Spuren menschlicher Siedlung datieren aus dem frühen Paleolithikum (180.000 bis 150.000 v. Chr.) Die Ausgrabungen bei Meillers belegen für diese Epoche eine bedeutende Werkstatte für Steinwerkzeuge. Bei den Ausgrabungen um Gipcy und Montet wurden Schabwerkzeuge aus der Zeit von 100.000 bis 40.000 v. Chr. gefunden. Die Siedlungsspuren aus der neueren Steinzeit sind zahlreicher. Die Fundstellen von Marigny, Noyant und Besson (Grabhohle und Spuren einer Keramikwerkstatt ) belegen steinzeitliche Industrie für die Zeit von 5000 bis 2000 v. Chr. Materielle Belege für Wanderungsbewegungen im pays de Souvigny finden sich ab der Bronzezeit. Bei der station "de la jolivette - Chemilly" und dem Grabhügel von Joux bei St. Menoux wurden Fragmente von Vasen und Altbronze gefunden. Die ersten Kelten im Besitz von Eisenwerkzeugen kamen um 750 v. Chr. in die Gegend. Der pays de Souvigny wurde anschliessend Grenzland der mfichtigen gallischen Stfimme der Arvemer, Aduer und Bituriger. Die Stammesgrenzen wurden spfiter die Grenzen der Bistümer von Autun, Bourges, Nevers und Clermont-Ferrand. In galloromanischer Zeit war Bourbon l' Archambault der einzige im pays de Souvigny belegte "vicus" (rômischer Verwaltungsbezirk).
1998 Bibliographie |
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Die Ende des 12. Jahrhunderts entstandene achteckige Saule mit den leider nicht vollstandig erhaltenen erziihlenden Seiten ist eine Darstellung des Universums und seiner Wunderwerke aus Sicht der damaligen Zeit: die Monate des Jahres begleitet von den Tierkreiszeichen auf einer Seite, fremde Volker und Fabeltiere auf zwel weiteren Seiten. Dieses einzigartige Fundstück wurde um 1820 bei Souvigny entdeckt und ist trotz seiner auf die Revolutionszeit zurückgehenden Schaden weltweit bekannt. In diesem ersten Saal findet sich der Geldschatz. Die Mônche von Souvigny besassen das Münzrecht und ein Kapitell der Klosterkirche, das als les monnayeurs bezeichnet wird, zeigt den Abt umgeben von Mônchen, die Geld wiegen, schlagen und in Sacke füllen. Die Mehrzahl der Fundstücke zeigen den heiligen Majolus. Die altesten Spuren der Münzpragung gehen auf die Jahre 1095 bis 1098 zurück. Die Verbreitung der Münzen aus Souvigny reicht weit über das Fürstentum hinaus.
Einige Denare wurden in den europaischen Hafen wiedergefunden, und das Münzrecht wurde den Mônchen 1321 vom franzôsischen Kônig Philippe V. wieder abgekauft. Die Liebe zum Detail in der cluniazensischen Kunst begegnet uns in der Bibel von Souvigny, von der einige Seiten in Reproduktion zu sehen sind. Sie wurde im Auftrag der Bürgerschaft von einer Schule der Illumiierkunst in Anger hergestellt. (Das Original der Bibel, das in der Bibliothek von Moulins aufbewahrt wird, stammt aus dem Ende des 12. Jahrhunderts.) Von den zahlreichen Grabmalem der Cordeliers de Champa igue sind allein die Ruhestatte der Marie de Hainaut, der Frau des ersten Fürsten der Bourbonen, und der untere Teil einer Ruhestatte mi t einer Reihe weinender Frauen erhalten. Bin Kloster franziskanischer Bettelmonche lag an der Strasse nach St. Menoux am Ortsausgang von Souvigny. Bs wurde von den Bourbons-Dampierre in der Mit te des 13. J ahrhunderts gegründet. Bine dreidimensionale Darstellung der Kirche aus dem 13. J ahrhundert erlaubt es das romanische Bauwerk mit seinem doppelten Querschiff vor den gotischen Umbauten zu bewundem: . 1375 lies Fürst Louis Il die Chapelle Vieillie in der süudlichen Transept konstruieren, die sein Grabmal und das seiner Frau, Anne d'Auvergne, beherbergen. Sie wurden vom Steinbildhauer Jean de Cambrai geschaffen. (Bine Reproduktion findet sich in der Bingangshalle des Museums ). Ausserdem beherbergt die Kapelle eine Darstellung der Grablegung, die der Schule von Michel Colombe zugeschrieben wird. . 1424 erfolgte die Umgestaltung des Mittelgangs im gotischen Stil auf Veranlassung von Dom Chollet, der von 1423 bis 1454 Prior von Souvigny war . Der vormalige Prior des Kloosters von Mont Saint Michel untemahm eine umfassende Restaurierung der Klosterkirche und der angrenzenden Gebaude des Konvents. Auf seine Initiative geht auch die Instandsetzung der oberen Partien der Kirche, der Fenster des Chorraums, des Reliquienschreins und des Kreuzgangs zurück. Von letzerem ist nur eine bemerkenswerte Stiulenreihe erhalten, deren versetzte Gewolbe und Schlusssteine (u.a. eine Darstellung des Ordens von St. Michel) im Sommer gemeinsam mit der Kirche besichtigt werden konnen. Der Narthex an der Stelle des heutigen Parvis wurde wtihrend dieser Umbauphase aufgegeben. . 1448 wurde die Chapelle Neuve im nordlichen Querschiff erbaut. AIs Sachwalter des Klosters machten die Bourbonen die Klosterkirche von Souvigny zu ihrer Grabeskirche. Einige Sires wtihlten die Kirche als Grablegungssttitte. Die Grablegungen von Archambaud IV. und Archambaud V. im Innern der Kirche sind belegt. Die Sires de Bourbons besassen eine Kapelle in der Kirche, und es ist wahrscheinlich, dass sie darin begraben wurden. Fürst Louis II. baute die Chapelle Vieille um und Charles l liess die Chapelle Neuve errichten. Sein Grabmal, dass von J acques Morel ab 1448 geschaffen wurde, stellt ibn gemeinsam mit seiner Frau Agnès de Bourgogne dar . Das Grabmal beherbergt ebenfa1l die Überreste von Jean II., Pierre II., seiner Frau Anne de Beaujeu und ihrer Tochter Suzanne de Bourbon. Die drei letztgenannten sind dargestellt auf dem berühmten Triptyque de Moulins des Maître de Moulins. 1681 wurde die legitimierte Tochter Ludwigs XIV. in dem Grab beigesetzt, und 1934 wurde es geoffnet, um dem Prinzen Sixte de Bourbon Parme seine letzte Ruhestatte zu geben. (Prinz Sixte de Bourbon Parme war der Broder der letzten osterreichischen Kaiserin Zita von Habsburg.) Sixte de Bourbon Parme ging in die Geschichte ein mit seinem gescheiterten Versuch, im ersten Weltkrieg einen Separatfrieden mit OsterreichUngam zu schliesen. Seine Büste steht am Ausgang des musée lapidaire. Ab dem Ende des 14. J ahrhunderts werden die freie Wahl der Abte durch die Monche und die Emennung der Priore durch die Abte ersetzt durch das System der commende. Konig Francois I. setzt offiziell das Recht der Konige fest, Pfarrer und Pioren für Kloster, Kathedralen und Abteien zu benennen, was zu einer Vemachlassigung der Kloster durch die emannten Abte und Prioren führte. Die übermassige Ausbeutung der Ressourcen der Kloster führte zum Niedergang von Orden und Klosterverbanden wie dem von Cluny. . 1772 wurde die Sakristei an der Stelle der Chapelle Notre-Dame des Avents nach Planen des aus Moulins stammenden Architekten Evezard errichtet. Neben der Christusdarstellung in Elfenbein, den Statuen aus dem 12. und 14. Jahrhundert (Vierge reliquaire bzw. Ecce Homo) ist sie wegen ihrer Proportionenn, der Bemalung der Seitenwfinde und der Kuppel im reinsten Barockstil bemerkenswert. Herausragend jedoch sind die Holzschnitzereien des ortsansfissigen Mobelschreiners Maslet, die Schubladen und Mobel verzieren und altestamentliche Szenen ( der Tempel von Jerusalem, David und Goliath, Samson etc. ), Heilige, aber auch dem cluniazensischen Klosterverband entstammende Pfipste (Urban II, der in ClermontF errand zum ersten Kreuzzug au frief, war der berühmteste ) darstellen. Hervorzuheben sind schliesslich die Mobel selbst ( das chapier fur die Messgewfinder). Die Sakristei kann ebenfalls im Rahmen emer Kirchenbesichtigung besucht werden. .1783 erfolgte der Bau der Orgel Clicquot. Der Orgelbauer von Konig Ludwig XVI. FrancoisHenri Clicquot entstammte einer grossen Orgelbauerfamilie und das Instrument mit seinen 27 Registem erfüllt auf wunderbare Weise das grosse Kirchenschiff. Es steht unter Denkmalschutz und ist ein einzigartiges Beispiel franzosischer Orgelbautradtion, das no ch heute voll funktionsfahig ist. (Jâhrlich findet in Souvigny ein Barockfestival statt. ) . 1792 wurden der mitt1ere Turm zerstôrt, das Innere der Kirche stark beschâdigt und die Mônche zogen aus Souvigny ab. Wâhrend der franzôsischen Revolution wurde die Mehrzahl der Statuen der Klosterkirche stark beschâdigt und die dynastischen Zeichen der Bourbonen beseitigt. Man ist heute im Besitz eines zeitgenôssischen Dokuments, das die zu zerstôrenden Objekte auflistete. Glücklicherweise wurde die Klosterkirche zur Pfarrkirche umgewande1t und die gegenüberliegende vormalige Pfarrkirche St. Marc aufgegeben. Sie ist heute umgewandelt in ein Auditorium, wo wâhrend des ganzen J ahres Konferenzen und Konzerte stattfinden. Weitere interessante Überreste aus der K1osterkirche - darunter Statuen und Steinbaldachine aus gotischer Zeit; eine Petrusstatue, die über dem Eingang der Kirche thronte; das einzige erhaltene Stück einer Reihe von Klagenden, die den unteren Tei1 des Grabs der Chapelle Neuve schmückten etc. - sind in diesem Teil des Museums gelagert. Beim Verlassen des musée lapidaire kann man den sehr schônen Klostergarten mit seinem Brunnen und der Treppe besichtigen. Er wurde nach Originalplânen wiederhergerichtet. Der im franzosischen Stil angelegte Garten beherbergt Zierpflanzen und Gemüse nach Art der Gemüsegfirten des 18. Jahrhunderts. Schliesslich bietet sich von dieser Seite eine einmalige Sicht auf dieses herrliche Schiff aus Stein, auf die Kirche St. Peter und Paul von Souvigny . |
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